Schön – Rhön

Schön Rhön

Montag, 6:45 Uhr – der Kaffeeautomat gibt erste Lebenszeichen von sich, im Gegensatz zu mir.
Langsam werde ich wach – ich fahre heute nach Bad Orb.
Von dort will ich weiter in die Rhön; auf einem gekritzelten Zettel habe ich mir einige Fotospots notiert. Beim Durchlesen huscht mir noch einmal mein Motto des heutigen Tages durch den Kopf:
„Alles außer Wasserkuppe.“

Für diese Tour habe ich mal ausprobiert, mir die Route von ChatGPT vorschlagen zu lassen. Leider vergaß ich, der KI mitzuteilen, dass ich ja fotografieren wollte. So wollte mich die „Intelligenzbestie“ als erstes – also „High Noon“ bei über 30 Grad – auf das spärlich bewachsene Hochmoor schicken. Also musste man den Fahrplan noch einmal mit humanoider Intelligenz nachbessern.

Hier die Audio-Deskription anhören :

Burgruine Ebersburg

■ Bauch, Beine, Burg

Erster Stopp: die Burgruine Ebersburg. Schattiger Waldparkplatz, nur ein paar Meter Luftlinie bis zu der Burgruine – aber Burg bedeutet natürlich bergauf. Normalerweise finde ich Steine und Ruinen alles andere als sexy, doch diese hier waren ein Volltreffer. Beim Aufstieg zum Turm erinnere ich mich an meine Neujahrsvorsätze : „Du wolltest doch abnehmen”, verdammt. Die Stufen wurden immer schmaler. Das Holz ächzt verdächtig unter meinem ein oder anderen Kilo. Schließlich ist der Gang so eng, dass nicht mal ein Kind an mir vorbeikäme – und von oben und unten hörte man, das ich nicht alleine unterwegs war. Eine Begegnung galt es zu vermeiden, also entschied ich abzusteigen. Immerhin: Die Fotos sind gelungen.

Hier die Audio-Deskription anhören :

Burruine Ebersburg

■ See Nix gut

Den Guckaisee hatte ich mal in einem Video gesehen, in dem jemand ein Technikreview gedreht hatte. Der Weg zum See führte an vielen Parkplätzen vorbei, die sich immer mehr füllten – war ich hier richtig? Nun, es ist eben Sommer und heiß, und im Sommer ist der Guckaisee ein beliebter Badesee. Erst, wenn im Herbst oder Frühjahr wieder Ruhe einkehrt, wird er zu einer Wildlife-Idylle. Jetzt dominierten den See nur Badenixen und aufblasbare Delfine.

Hier die Audio-Deskription anhören :

Mal Ente

■ Kaskadenschlucht light

Auf zur Kaskadenschlucht. Am Straßenrand stand ein Schild mit der Aufschrift „Parkplatz Kaskadenschlucht“. Die enge, zunächst asphaltierte Straße mauserte sich zur staubigen Schotterpiste. Hatte ich vielleicht das Schild „Durchfahrt verboten“ übersehen? Nein, kann nicht sein – die Straße war von Anfang an sehr schmal, Parkmöglichkeiten Fehlanzeige, und es war ja ein Parkplatz ausgeschildert. Eine entgegenkommende Ape mit drei Rädern würde jetzt ein Verkehrschaos verursachen. Kaum hatte ich den Gedanken abgeschlossen und beiläufig den Straßengraben inspiziert, kam – ja, na klar – ein SUV daher. Das Hineintasten und Eintauchen in Rand- und Straßengraben verlief dann doch unproblematischer, als ich im ersten Schreck gedacht hatte. Das Spiel wiederholte sich noch ein paar Mal, sodass so etwas wie Routine aufkam.

Und dann kam tatsächlich ein Parkplatz in Sicht, der diesen Namen verdiente. Komisch – müsste man nicht irgendwie Wasser plätschern hören? Irritiert versuchte ich das stille Phänomen zu entschlüsseln. Traurig: Die vielen Regentage im Juli hatten zu keinem nachhaltigen Wasserstand geführt. So blieb nur ein trauriges, unfotogenes Rinnsal. Schade.

Golddistel

Hier die Audio-Deskription anhören :

Rotes Moor – oder auch nicht

Also ging es über die „SchotterRoute”, 66 Schlaglöcher auf 100m zurück. Jetzt konnte es ja nur besser werden. Auf zum Roten Moor! Juchhu, da kommt ein Schild: Parkplatz Moor…irgendwas –häh- nicht Rotes Moor? Ok, dann erst mal weiter. Kurz darauf ein weiteres Parkplatzschild: Moorwiese. „Hier bin ich richtig.“ Aussteigen, Kamera fertig – und ja, wo geht’s jetzt zum Moor? Kurzer Rundgang, irritierend: keine wegweisenden Schilder mehr. Das heißt ja eigentlich: Ich bin am Moor. Komisch, ich hatte mir irgendwie ein Moor ganz anders vorgestellt – aber es ist auch mein erstes.

Kurze Rückfrage bei einem professionell aussehenden Wanderpaar, das am Dialekt unschwer zu identifizieren war:
„Sehn Se, hier is keen Moor, det sieht man doch! Wenn Se det Moor woll’n, müssen Se da rüber zwee Kilometer jehn. Oder, wenn Se zu faul sind, könn’ Se ooch mit’m Auto bis zum Parkplatz fahr’n – da müssn Se bloß noch über die Jasse, is ja nu nich so schwer. Wa.“

Höflich bedankte ich mich für die Auskunft – die Höflichkeit verbietet mir zu schreiben, was ich zu diesem Zeitpunkt über das Berliner Ehepaar dachte. Versprochen, ich werde es aber beichten.

Also fahre ich zu dem Parkplatz für faule Fotografen und bezahle auch anstandslos die 2 Euro – einfachheitshalber. Und ja, surprise: Man muss tatsächlich nur lebend über die Bundesstraße kommen und ein paar Meter laufen – und schon steht man an einem kleinen See. Dieser ist erstaunlich gut für Fotografen vorbereitet: Schlitze, um möglichst unbemerkt fotografieren zu können, und Bänke hinter einer Art Palisaden, wobei Letzteres wahrscheinlich eher geeignet ist, Verrückte vom Reinspringen abzuhalten.

Ein paar schöne Aufnahmen – unter anderem von Libellen – sind mir gelungen. Kaum waren die Bilder hochgeladen, wurde ich direkt auf einen Fehler in meiner Bildbeschreibung hingewiesen: „Das ist keine Libelle, das ist eine Mosaikjungfer.“ Aha – wenn du jetzt noch einen Berliner Dialekt hättest, dann…

Mosaikjungfer glaub ich

Hier die Audio-Deskription anhören :

Schwarzes Moor – Naß und trotzdem durst

Das letzte Ziel war das schwarze Moor. Inzwischen waren meine Getränke Vorräte aufgebraucht und die Zeit war auch schon etwas fortgeschritten, zum Glück hatte das Bistro noch ca. eine Stunde geöffnet. Also zückte ich die EC-Karte und wollte meine Großbestellung aufgeben, bevor ich ausholen konnte, wurde ich darauf hingewiesen das man prinzipiell nur bar zahlen kann. Upps meine Barbestände reichten gerade noch für eine Currywurst und eine 0,5l medium Wasserflasche.

Fertig gegessen, und wieder stellte ich mir die Frage: wo geht’s denn hier zum Moor, die Pfeile auf dem Parkplatz schienen jetzt maximal die Himmelsrichtung anzuzeigen – Lösung google Maps. Ich hätte es mir eigentlich denken können, der Eingang – na – richtig – er liegt auf der anderen Seite der Bundesstraße.

Vorbei ging es dann an einem ehemaligen Tor des Reichsarbeitsdienst Lagers zum Eingang des Moors. Meine Erwartungen waren gemischt, mich empfing erst mal eine fein gemähte Wiese, an deren anderer Seite ein Turm stand.

Der Weg durch das Moor führt über einen Bretter Steg, verlaufen praktisch unmöglich, besser gehts nicht. Empfehlung: die große Schleife laufen, es rentiert sich.

Auch hier konnte ich einige schöne Aufnahmen machen. Der Dunst verhagelte mir dann am Ende der Tour die Sicht von dem Aussichtsturm. Die Wasserkuppe war nur schemenhaft zu erkennen, aber das Motto dieser Rhön Tour war ja „Alles außer Wasserkuppe“ und bei Berlin überleg ich nochmal.

Hier die Audio-Deskription anhören :

Gehweg schwarzes Moor

-> 1,5km

berschreibt die Luftlinie zum Fotomotiv

Video – Motiv z.B. Wasserfall oder Panorama

℗-> ca.400m bis Hängebrücke

ist der Fußweg vom Parkplatz bis zum Motiv

Parkplatz Name oder Ort (ca.)

 

Achtung besondere Hinweise beachten!

Nach oben scrollen